Marchwitza, Hans „Schlacht vor Kohle“

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Marchwitza, Hans „Schlacht vor Kohle“

 

Textprobe:

„Abends zehn Uhr fuhren die Kumpels der Nachmittagsschicht heraus. Müde in den Knochen. Die Augen entzündet von dem Flackerlicht der Lampe und dem scharfen Kohlenstaub.
Die Februarkälte ließ sie in ihren dünnen, schweißdurchnässten Lumpen erschauern. Trotzdem rannten die meisten zur »Pinnbude«, um zu sehen, wie viel Kohle aus ihrer Strebe über Tage gefördert worden war.
Über manche Gesichter huschte ein Schein Freude, wieder einmal dem Kohlengrab heil entgangen zu sein. Zwischen der überstandenen und der nächsten Förderschicht lagen sechzehn Stunden. Sechzehn Stunden den Tag zu atmen ist, mag das Leben auch noch so hundselend sein, immerhin besser als unten in der Grube.
Noch rollte und krachte es auf der Hängebank, die, niedrig, nach Wagenschmiere und dem fauligen Sumpfwasser stinkend, das von den Körben heruntergoss, von trüben Lampen erleuchtet war.
Zerfetztes Zeug an, schoben kohleverschmutzte Brückenschlepper an den Förderwagen, die sie noch entleeren mussten, bevor sie Schicht machen durften. Der Brückenaufseher, dem es nicht schnell genug ging, lärmte und fluchte hinterher. Durch die löchrigen Fenster blies stoßweise der Wind und wirbelte den Pulverstaub auf. An der Eisentreppe hatten sich ein Mittagsteiger und ein aus der Grube kommender Kumpel.
»Hau ihn!« riefen vorbeieilende Schlepper.
Das Gesicht des Steigers blähte sich vor Zorn. Man hörte: »Wenn Sie sich keine größere Mühe geben, dann bestraf ich Sic, alle!«
»Kleb ihm eins, Ignatz!« schrie jemand aus dem Förderkorb.
Ein Fahrsteiger kam laut vor sich her schimpfend in großen Sätzen heran, trieb ungeduldig die Kumpels, die dem Förderkorb entstiegen, zur Eile. Fasste einen der Hauer am Rock. »Kommen Sic mit zurück, Bruch aufräumen!«
Der Hauer zögerte.
»Los!« schrie ihn der Fahrsteiger an.
Der Förderkorb sauste mit den beiden ab. Nach wenigen Minuten schoss ein anderer Kasten aus dem gähnenden Loch, wippte schwer über dem Anschlag. »Mist!« zürnte ein Kumpel, der dem Förderkorb, triefend von Schachtdreck, entstiegen war, und soff durstig den Rest der Brühe aus seiner Blechtoite.
Balasz kroch hinter ihm heraus, schüttelte sich und wandte sich der Treppe zu, die zur Waschkaue führte.
In dem staubigen Umkleideraum drückte ihm der lange Dränger einen Packen Flugblätter in die Hände. »Eil dich, verteil sie, bevor die Kumpels weg sind!«
Die RGO hatte eigene Leute zur Betriebsrätewahl aufgestellt. Dors Reger, der bisherige Obmann, hatte es mit den Kumpels gründlich verdorben. Nicht eine Belegschaftsversammlung hatte stattgefunden, obwohl jeder die Treiberei nach Kohle übersatt hatte. Es verging nicht ein Tag, an dem nicht einer oder mehrere mit Verletzungen hinausgebracht wurden.“

 

 

Verlag Tribüne, Berlin, 1980, Gebunden, 172 Seiten. Original: 1931.

–Verlag, Fassung, Auflage kann abweichen. —

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